Foto zum Tourentipp Moesa.
Tessin at its best – und das in Graubünden.
Foto: Michael Neumann

Das Misox (ital. Valle Mesolcina) begrüßt zur Zeit der Schneeschmelze Tessinpaddler nach der dunklen Röhre des San-Bernardino-Tunnels mit unzähligen Wasserfällen. Zwar gehört die Moesa zu Graubünden, sie bietet aber alle Features Tessiner Flussperlen: runde Kiesel jeder Größe, glasklares Wasser, üppiges Grün am Ufer. Aufgrund mehrerer Kraftwerke liegt der Fluss im Oberlauf trocken, ab Lostallo sorgen die Turbinen im Gegenzug für eine ausreichende Wassermenge bis in den (Früh-)Sommer. Der klassische Einstieg beim Örtchen Sorte verlangt Paddler, die sich auf WW IV sicher fühlen. Auf den folgenden drei Kilometern bricht der zuvor gebändigte Wildling aus dem begradigten Flussbett und stürzt über rassiges Wildwasser zu Tale. Einige wenige Stellen wollen vom Ufer besichtigt werden. Ein fahrbares Wehr nach dem ersten Drittel leitet eine geringe Wassermenge aus, am bald folgenden Kraftwerk Norantola lassen die Schwierigkeiten etwas nach. Bis Cama folgt wunderschön verblocktes WW III-IV. Ab der Brücke von Cama gehen die Schwierigkeiten nicht mehr über WW III. Der Flusscharakter bleibt abwechslungsreich. Obwohl die Schnellstraße fast immer in Flussnähe verläuft, bleibt die Zivilisation durch bewaldete Ufer meist unbemerkt. Bei niedrigen Pegeln ein idealer Übungs­par­cours, wird die Moesa bei Hochwasser zum Wuchtbrummer. Endlose Wellenzüge verwandeln die blaugrünen Fluten in ein Spielbootparadies.

Foto zum Tourentipp Moesa.
Moesa und Ticino sind die am schnellsten von Deutschland erreichbaren Flüsse im Tessin.

Charakter: Kurzer, kraftvoller Auftakt mit ordentlich Wasserwucht und Verblockung; ab Cama weitläufiger Fluss zum Spielen und Cruisen; teils weites Kiesbett und schöne Waldlandschaft.

Beste Zeit:
April bis Ende Juni, meist auch länger; das E-Werk bei Lostallo gibt werktags vormittags Wasser ab; abends und morgens meist trocken.

Gefahren: Steckgefahr (tödlicher Unfall) an erster Stelle gleich nach der Einstiegsbrücke von Sorte: rechts fahren. Zu hoher Wasserstand. Im Unterlauf Achtung auf ein Blockwurfwehr 2 km nach Cama unter der Schnellstraßenbrücke, nach Besichtigung evtl. fahrbar; Brückenbaustelle in Roveredo.

Einstieg: kleine Straßenbrücke bei Sorte; für gemäßigte Paddler an der
Brücke bei Cama oder unterhalb Roveredo.

Ausstieg:
für Schwerwasserpaddler an der Brücke bei Cama; sonst bis Ende 2010 wegen der Sperrstrecke im Bereich der Calancasca-Mündung; im Unterlauf frei wählbar z. B. bei Castione an der Autobahnausfahrt Bellinzona-Nord.

Schwierigkeiten: 3 Kilometer WW 4, danach 13 Kilometer WW 2-3

Shuttle: Straße immer im Tal, Zugang zum Fluss meist nur an Brücken; zwischen Sorte und Cama Shuttle bitte rechtsufrig über Hauptstraße.

Übernachtung:
Der sehr günstig gelegene Campingplatz in Roveredo musste dem neuen Umfahrungstunnel weichen. Aktuell gibt es im Tal keinen offiziellen Zeltplatz.
Nahe Bellinzona schön gelegen ist der Camping Al Censo in Claro (www.alcenso.ch), weitere Plätze unter www.ticino.ch. Auf das wilde Campieren etwaiger Paddlerhorden reagieren die Schweizer zunehmend allergisch.

Kanu-Tipp: Stürzer sollten nach dem kurzen Wuchtritt auf der Moesa ins nur fünf Kilometer entfernte Val Calanca schauen. Auf der Calancasca warten weitere 3 km WW IV-V. Im hinteren Teil des Hochtals schöne Trails für Bike und Wanderstiefel (www.calancatal.ch).

Infos:
www.kajak.at, www.sports-nature.de, www.kajaktour.de (sehr ausführlich); Gert Spilker: Tessin, Pollner-Verlag (1997), nur noch im Antiquariat. DKV-Auslandsführer Band 2 (2007).