Mittsommernacht auf der Elbe

Mäßig fließender (3-6 km/h, je nach Wasserstand) schiff­barer Fluss, 50 bis 100 m breit. Die vorgestellte Etappe bietet sich als Wochenendfahrt an, kann aber von Geübten auch an einem Tag zurück gelegt werden.

Mit dem Tourenboot auf der Elbe in Sachsen.
Die Türme der Bastei - für Paddler nur Kulisse, für Kletterer die Herausforderung schlechthin.
Foto: Roland Einert.

Das KANUmagazin kommt. Und will, dass wir »unsere Elbe« vorstellen. Aber bitteschön, kein Problem. Schließlich paddeln wir schon seit Jahrzehnten auf diesem Renommiergewässer. Sei es auf der berüchtigten Winterfahrt, organisiert von der IG Faltboot (www.faltboot.de), sei es beim Stauseeablass der oberen Elbe im tschechischen Vrchlaby oder auf dem Slalomkanal in Roudnice. Auch Mehrtagestouren oder mehrwöchige Ferienfahrten auf der Elbe hat jeder von uns schon gemacht. Und dann gibt es hinter Brückenpfeilern und Buhnen noch ein paar schöne Verschneidungen, in denen man mit dem Wildwasserboot gekonnt Kunststück­chen vollführen kann. Aber wenn KANU kommt, will man »seine« Elbe natürlich von ihrer schöns­ten Seite zeigen. Also wird das allwöchentliche Kentertraining in einer elbnahen Kiesgrube ausgesetzt und in unserem Forum unter www.dundak.de eine Mittsommernachtsfahrt auf der Elbe ab Königstein ausgerufen. Abfahrt 16 Uhr, komme, wer wolle.

Über 10 Leute schaffen es so am Fronleichnamsdonnerstag pünktlich zum Einstieg. Für die anderen wurde ein Zeitplan ausgearbeitet, damit sie sich unterwegs anschließen können. Hätten wir mehr Zeit, so wären wir bereits in Schöna gestartet, 14 Kilometer flussauf. Pünktlich setzt sich die Gruppe in Bewegung. Natürlich bei Gegenwind und Niedrigwasser, so dass die geplanten 44 Flusskilometer doppelt so lang sind. Vor uns liegt ein eng gesteckter Zeitplan, der uns pünktlich zum Einbruch der Nacht in den Stadtkern von Dresden bringen soll. Am liebsten fahre ich diese Strecke im Faltboot, wodurch das mühsame Umsetzen entfällt. Fährt doch die S-Bahn von morgens früh um fünf bis kurz vor Mitternacht im Halbstundentakt von Dresden nach Königstein und weiter stromauf. Tino hat es sich jedoch nicht nehmen lassen und ist im 35-Kilo-PE-Kanadier angereist. Friedolin sitzt, ganz Gewohnheits­tier, in seinem treuen Oldschool-Wildwasserboot und spekuliert auf die eine oder andere Dampferwelle.

 

Der Abschnitt bis Wehlen ist geprägt von den Felstürmen der Sächsischen Schweiz. Eigentlich könnte man in jedem Ort eine ganz­tägige Pause einlegen. In Königstein locken Lilienstein und Fes­tung, in Rathen wollen Bastei und Amselsee besichtigt werden. Gar nicht zu reden von den vielen Kletterfelsen, an denen sich mehrere Mitglieder unserer Gruppe sonst in der trockenen Jahreszeit austoben. Aber uns sitzt der selbst entworfene Zeitplan im Nacken, nach jeweils kurzen Fotopausen geht es weiter. Schließlich warten in Pirna weitere Mitfahrer. Jutta hat wohl etwas falsch verstanden und die Fahrt als »Rollentraining auf der Elbe« aufgefasst. In voller WW-Ausrüstung mit Helm, Weste, Trockenjacke und Creekboot steht sie am Ufer.

Highlight: Dresden im Dunkeln

Das Elbeufer in Pillnitz.
Pause in Pillnitz.
Foto: Michael Neumann

 

Die Strecke von Pirna bis Pillnitz war früher von hässlichen Indus­triefassaden mit stinkenden Abfluss­rohren geprägt, aus denen weiße Flocken in die Elbe quollen. Heute sind die Betriebe stillgelegt und abgebaut, längst kann man in der Elbe wieder baden.

 

Am Schloss Pillnitz staunen die Abendspaziergänger nicht schlecht, als unsere Flotte zu einer Pause an der Frei­treppe anlegt. Nicht allein das Schloss selbst ist sehenswert, auch die darauf angebrachten Hochwassermarkierungen. Uns allen spukt die Erinnerung noch im Kopf herum, als die Elbe im August 2002 zum Ungeheuer wurde und sich bis zu 10 Meter hoch aus ihrem angestammten Bett erhob. Doch die meisten Spuren der Zerstörung sind längst beseitigt, friedlich strömt die Elbe während unseres Picknicks in der Abendsonne.

 

Weiter geht es bis zum »Blauen Wunder«, der bekanntesten Stadtbrücke Dresdens. Dort warten die letzten Mitstreiter, um den Höhepunkt der Fahrt nicht zu verpassen. Pünktlich gegen halb elf wird das Dämmerlicht von der Dunkelheit verschluckt und wir zünden die Bootsbeleuchtung an. Die Boote zum Paket zusammengefasst, eine Flasche Wein geöffnet, treiben wir leise und ruhig an der historischen Kulisse der Dresdner Altstadt vorbei. Linkerhand ziehen die hell illuminierte Semperoper, die Kathedrale und die noch von einem Baugerüst umhüllte Frauenkirche an uns vorbei. Die drei Kilometer bis nach Mickten sind schnell geschafft, selbst die lockenden Rufe »Legt an, wir haben Bier« aus dem Garten des Ballhaus Watzke konnten uns nicht aufhalten. Aber die wussten schließlich auch nicht, das wir ähnliches zusammen mit Grill und Holzkohle am Ausstieg deponiert haben.

 

So sitzen wir bis weit nach Mitternacht und ganz ohne Zeitplan unterm Sternenhimmel und sinnieren, ob die schönste Etappe der Elbe tatsächlich schon hinter Dresden endet. Denn der Fluss bleibt auch unterhalb sehenswert. Es folgen die Weinberge und das 1000-jährige Meißen. Und dann kommt erst die »einsame« Elbe mit Buhnenfeldern, Sandstränden, alten Dörfern und kleinen Städten bis kurz vor Hamburg. Schön, dass die Mitsommernacht eigentlich erst der Anfang des Sommers ist.

Tourinfo: Von Königstein bis Dresden

Mit dem Kanu auf der Elbe im nächtlich erhellten Dresden.
Mittsommernacht in Dresden:
Foto: Matthias Naumann

 

Länge: 44 km.

 

Beste Zeit: ganzjährig fahrbar

 

Pegel: Bei einem Pegel von über 500 cm in Dresden Verbot für Schifffahrt und Sportboote. Internetpegel unter www.wetteronline.de.

 

Gefahren: Gierfähre in Rathen (km 22,7), Sog an Brückenpfeilern, Schifffahrt.

 

Übernachtung: Elbe-Camp Bad Schandau (km 6,0 rechts), Tel. 035022/40525, Camping Königstein (km 15,8 links), Tel. 035021/68224, Campingplatz des VKD (km 24,9 rechts), Tel. 0351/3104798, Bootshaus des VKD, ungezählte Pensionen, Hotels und Herbergen.

 

Gastronomie: massenhaft vorhanden, Tipp: »Sachsenstübel« in Königstein.

 

Kanuverleih: Globetrotter Dresden, Tel. 0351/4952116. Kanu-Aktiv-Tours Königstein, Tel. 035022/50704.

 

Alternativen: Wandern und Klettern in der Sächsischen Schweiz, Kultur in Dresden, bei gut Wasser Wildwasserpaddeln auf den Zu­flüssen Bahra, Gottleuba, Müglitz und Wesenitz.

 

Literatur: DKV-Gewässerführer für Ostdeutschland, 3. Auflage 2003, zu bestellen für 20,35 Euro unter www.kanu.de. Eine detaillierte Beschreibung der vorgestellten Strecke gibt es bei Heiko M. Kriegel, dem Vorsitzenden des Vereins Kanusport Dresden, www.verein-kanusport-dresden.de.